Stéfane Bientz, EMA, TOM und das Tattoo [HÉMATOME(S)] D

Foto: Österreichischer Bühnenverlag Kaiser
Stéphane Bientz, HÉMATOME(S), Éditions Espaces 34, 2018 ; Übersetzung des Theaterstücks für junges Publikum aus dem Französischen ins Deutsche: EMA, TOM UND DAS TATTOO, [HÉMATOME(S)] © Wolfgang Barth, 03.05.2019, Rechte seit August 2019: Österreichischer Bühnenverlag Kaiser; (Seite nach unten scrollen).

Inhaltsangabe und Exposé

Tom „Angsthase“ mit seinem Stock „Holunder“ trifft Ema, „die Zugenähte“, mit ihrer Puppe „Tatou“ am Strand, wo er auf Dilo, die Verwegene, wartet, welche die Teufelslochinsel erkundet, die ihren Namen von einer Höhle mit Zugang zum Meer hat und nur bei Ebbe auf gefährlichem Wege über die Sandbank erreicht werden kann. Tom verliebt sich in Ema und möchte ihr näher kommen. Dilo beherrscht und drangsaliert Tom, sieht eifersüchtig Ema als Rivalin und stellt sich zwischen die beiden. Handlungsorte sind der Strand, die Schule und die Insel.

Um Ema gibt es ein dunkles Geheimnis. Sie wohnt mit ihrem Vater in einem Haus auf der höchsten Stelle der Insel, spricht kaum, scheint bedrückt und trägt im Sommer dicke Wollsachen. Der Vater lässt sie vom Sportunterricht,  in dem sie sich nicht entkleiden will, befreien.  Ema sucht Kontakt zu Tom und Dilo, entzieht sich aber immer wieder und kehrt auf die Insel  zurück. Als sie mit den beiden nicht mehr spielt, weil der Vater es verboten hat, und schließlich überhaupt nicht mehr in der Schule erscheint, verfällt Tom in Verzweiflung. Er trifft Ema zufällig bei den Felsen am Meer völlig verängstigt und zerrüttet und verspricht ihr, sie am nächsten Tag in ihrem Haus auf der Insel zu besuchen. Tom wagt dies nur, weil er Dilo überreden kann, ihn bei diesem gefährlichen Abenteurer zu begleiten. An der Haustür schickt derVater sie weg: Ema ist zu den Dreharbeiten ihrer Mutter, einer berühmten Schauspielerin, gefahren. Tom und Dilo schenken der Aussage keinen Glauben und finden Ema in einem unterirdischen Gewölbe voll Gold und Schmuck. Der Vater naht in Gestalt eines fürchterlichen Drachens, der seinen wertvollsten Schatz, Ema, deren Körper überall von blauen Flecken gezeichnet ist, wieder in seine Gewalt bringen möchte.

Bei der Flucht stürzt Tom in das tosendeWasser des Teufelslochs. Er landet ertrinkend in einer sagenhaften Unterwasserwelt und erfährt vom Korallengeist, der ihn rettet, dass er Ema befreien kann, wenn er aus „Holunder“ eine Flöte schnitzt und eine Melodie mit einhundertzehn Tönen spielt. Tom und Dilo besiegen schließlich den Drachen, der, nun wieder in der Gestalt des Vaters, im Gefängnis landet. Die Mutter kehrt zurück, bleibt dauerhaft bei Ema und beschützt sie. Die Kinder haben in tiefer Freundschaft zueinander gefunden. Vom Trauma, das noch überwunden werden muss, zeugt als Spur des letzten blauen Flecks ein Tattoo am Hals Emas.

Das Stück handelt von Freundschaft, Rivalität und Ringen um Zuneigung der Kinder zueinander in romantisch-poetischer und handlungsorientiert-grober Variante. Im Mittelpunkt steht die traumatisch belastete Beziehung Emas zu ihrem Vater. Mit Hilfe der Freunde kann Ema den Notruf  (110) absetzen, dem Gewaltverhältnis, das bildhaft deutlich, aber nie in realer, verletzender Ausführung gezeigt wird, entkommen und mit dessen Verarbeitung beginnen. Kleinere Kinder werden das Stück als spannendes Märchen erleben und typische Muster wiederfinden. Ältere Kinder und junge Erwachsene weisen vor ihrem Erfahrungshintergrund Bildern und Handlung eigene Bedeutungen zu und kommen zu einer anderen Lesart.

Die fantasievoll-poetische, dichte Metaphorik, der Rhythmus,  gereimte und assonierende Repliken und vielschichtige Wortspiele versetzen Leser und Zuschauer in eine bedeutungs- und wirkungsintensive, fesselnde Traumwelt. Die zaghafte Zuwendung der Kinder zueinander, Entstehung von Freundschaft und Liebe, Eifersucht, Streit und Zwist, Angst, Hoffnung, Bedrohung und deren Abwehr werden miterlebt. Dies führt zu Verständnis und spendet Trost: Alles wird gut werden. Die Welt mag kompliziert, bedrohlich und gefährlich verletzend sein. Das Leben kann aber gelingen und ist schön, wenn man nicht alleine bleibt. Kinder brauchen diesenTrost.

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