Exposé: Christian Bach und Marie-Pierre Cattino, LEAS BRUDER

Marie-Pierre Cattino und Christian Bach, LE FRÈRE DE LÉA, Editions Koinè, Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche : LEAS BRUDER, © Nicole Desjardins, Paris, und Wolfgang Barth, Bremen, 25. Mai 2020

Christian Bach, Marie-Pierre Cattino, LEAS BRUDER [LE FRÈRE DE LÉA]

Marie-Pierre Cattino und Christian schreiben zur Erläuterung der Reihe: „[Sie] richtet sich besonders an Schüler*innen der Sekundarstufe I aller Schularten. Wesentlich bei allen Stücken sind die Passagen des Chores.

Ziel ist es, Lehrer*innen und Kursleiter*innen Texte vorzulegen, auf die sie gemeinsam mit den Schüler*innen zugreifen können um Rollen zu erarbeiten, die sich je nach Bedarf an den Bedürfnissen und Wünschen der Schüler*innen orientieren. Die Chorpassagen bieten also Rollen zur Gestaltung an, legen sie aber nicht fest.

Auf diese Weise ist es möglich, Texte auf unterschiedliche Zielgruppen auszurichten: Klassen mit 25 oder mehr Schüler*innen in der Schule, in anderen Zusammenhängen Arbeitsgruppen mit weniger Teilnehmer*innen und immer auch bestimmt durch die Geschlechterverteilung. Es wird bewusst nicht zu viel Text vorgelegt, damit eine Begrenzung auf sechs bis zehn Sitzungen pro Kurssequenz möglich ist, die es auch externen Schauspieler*innen erlaubt, eine überschaubare Zeit mit der Klasse zu arbeiten. Im Stil bleiben die Texte offen, vermeiden durchformulierten Fließtext und stellen so für Lehrer*innen ein Angebot zum Unterricht in kreativem Schreiben dar.

Wenn sich bei diesem Prozess eine ganz neue Rolle abzeichnet, ist dies nicht unerwünscht. Man wird in der Regel davon ausgehen können, dass Schüler*innen der Gruppe sie gerne weiterentwickeln (oft fühlen sich Freiwillige von einer solchen Herausforderung angesprochen), aber es sollten nicht zu viele sein.“

Das erste Stück, LEAS BRUDER, behandelt in einem nicht ungewohnten Kontext (eine neue Schülerin, Jasmine, kommt in die Klasse) einen brisanten Fall: Beinahe nur Lea spricht mit der Neuen. Aber mit Lea selbst sprechen ebenfalls nur wenige Schüler*innen: Ihr großer Bruder hat eine Geschlechtsumwandlung vom Mädchen zum Jungen hinter sich. Dies ist für viele willkommener Anlass, Lea nicht nur zu meiden, sondern ihr das Leben schwer zu machen. Jasmine wird mit in den Strudel gerissen. Die Freundschaft der beiden Mädchen wird auf eine harte Probe gestellt.

Das Stück bietet den Schüler*innen die Möglichkeit, sich bei der Erarbeitung der Rollen zu positionieren. Nicht alle Mitschüler*innen stellen sich gegen Lea und Jasmine. Die Auseinandersetzung verläuft dynamisch und führt dazu, dass Jasmine, die zwischenzeitlich in Depression verfällt und nicht mehr zur Schule kommt, sich mit Lea der Situation stellt und wieder der Zukunft zuwendet. Diese wird den Bruder nicht ausschließen. Die beiden sind sich sicher, dass die Mitschüler*innen einen Lernprozess durchlaufen und die neue Identität des Bruders akzeptieren werden.

Zur Bewältigung der Lage trägt bei, dass Jasmine die Besonderheit des Bruders von ihrer bedingungslosen Zuneigung zu Lea trennt, die diese sich erworben hat, weil sie Jasmine von Anfang an freundlich aufnahm und sich menschlich verhielt. Aber auch die Identität des Bruders selbst stellt keinerlei Problem dar. Zu diesem Schluss können auch die Schüler*innen kommen, wenn sie sich im Stück mit dem Fall des Bruders und seiner Familie auseinandersetzen.

Nicole Desjardins, Wolfgang Barth, 26. Mai 2020

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