Pierre Berlioux, DARK (D)

Foto: Pierre Berlioux © Maxime Côté
Pierre Berlioux, DARK, Briançon 2024; L‘Harmattan, Paris 2025; Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche, DARK © Wolfgang Barth, 12.08.2026, Bremen; Assistenz Soziolekt Marla Zureich, Bremen, mm.zureich@gmx.de

Französischsprachiges Original: Auswahl 2026 des französischsprachigen Komitees EURODRAM

Bibliografische Notizen

Pierre Berlioux wurde 1990 in Frankreich geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Rivier d’Ornon, einem kleinen Dorf in den Alpen.

Erste Erfahrung im Straßentheater. Schauspielausbildung am Konservatorium von Avignon, am Théâtre Rural d’Animation Culturelle in Beaumes-de-Venise und an der Internationalen Akademie für darstellende Künste in Versailles. Seine Lehrer sind Vincent Siano, Carlo Boso und Ivo Mentes.

Ausbildung in Bühnentechnik am Théâtre des Célestins (Lyon) und an der Ferme du Buisson (Noisiel). Arbeit als Bühnenbildner und Szenograf.

Im Jahr 2013 gründet Pierre Berlioux mit Rym Bouezg, Sarah Chabrier und Simon Lapierre die Straßentheatergruppe „Comédie du Fol Espoir“ mit Sitz in Grenoble, für die er fünf Jahre Stücke schreibt und als Schauspieler arbeitet.

Im gleichen Zeitraum mit Églantine Chauchaix Straßentheateraufführungen als Tänzer mit der Compagnie „Les Roses du Pavé“. Das Ensemble verbindet Tanz und Pantomime.

Unter der Leitung von Diane Pavlovic studiert Pierre Berlioux fünf Jahre lang Dramatisches Schreiben an der École nationale de théâtre du Canada.

​Seit kurzem befindet er sich wieder in Europa und arbeitet als Autor in den Bereichen Theater, Kino, Hörspiele, Oper und Musical. 

Das Stück

Übersetzungsbeispiele
L’amour courtois, c’est un putain de délire : les mecs, ils aiment une dame mais y préfèrent aller faire des dingueries en son honneur que de passer du temps avec elle
Chelou [p. 12]
Die höfische Liebe ist weird: Die Typen lieben eine Dame, aber anstatt Zeit mit ihr zu verbringen, machen sie lieber zu ihrer Ehre irgendwelche abgefahrenen Sachen
Low-key sus [S. 12]
« En fait, c’est trop calé, la pisce-baque !
- La pisce-baque ? »
Luigi dit que j’invente des mots
« Pistoche, à la limite, mais pisce-baque, personne dit ça.
- Ben tout le monde a tort. Pistoche, c’est moche. Pisce-baque , ça claque. » [p. 53]
„Der Splashpool ist low key cozy!”
„Der Splashpool?“ 
Luigi sagt, ich erfinde Wörter
"Pool geht ja noch, es heißt aber Schwimmbad, Splashpool sagt niemand.“
„Na, dann irren sich alle. Schwimmbad ist fad. Splashpool ist cool.“ [S. 53]
Stil
Durchgängig aktueller, cooler, anspruchsvoller, umgangssprachlicher Gymnasial-Soziolekt ohne Angst vor Tabus. Herausforderung für den Übersetzer, der die Hilfe einer Sprecher*in benötigt, die sich in diesem Sprachmilieu bewegt.
Aktuelle Aufführungen
Foto © Compagnie des lucioles - Über den Link Aufführungsdaten

Inhalt

Jeanne, ca. 16 Jahre, lebt während des Wahlkampfs zu den Parlamentswahlen im Juli 2024 im ländlichen Frankreich. Eines Tages entdeckt sie, dass ihr ein fast schon mythisches Schicksal beschieden ist: sie wird Frankreich retten.

Das Stück erzählt von den zehn Tagen zwischen den beiden Wahlgägngen, in denen alles in der Schwebe zu sein scheint: ihre Freundschaften, ihre Liebesbeziehungen, ihre Zweifel, ihre Zukunftsträume und vor allem ihr Engagement angesichts des Aufstiegs der extremen Rechten in ihrem Umfeld.

Es ist intimes Epos und kollektives Manifest, getragen von einer energiegeladenen, organischen und lebendigen Sprache, die typisch für die Generation Z ist. Der Text thematisiert den Widerstand der Jugend gegen Vorurteile, die Stigmatisierung des ländlichen Frankreichs und die Ängste einer Generation, die nach Sinn sucht.

Assistenz Soziolekt

Als im französischsprachigen Komitee EURODRAM über das Auswahlstück 2026 DARK von Pierre Berlioux diskutiert wurde, galt es wegen der durchgängig authentischen Umgangssprache aus dem cool-gymnasialen Milieu als quasi unübersetzbar. Es war von vornherein klar, dass der Übersetzer – wie der Autor selbst, der ebenfalls fachsprachlich kompetenten Rat einholte – die Hilfe einer Kenner*in des Sprachmilieus brauchen würde.

Marla Zureich, die gerade in Bremen an einem Gymnasium das Abitur gemacht hat, in dem der dem Original entsprechende Soziolekt monnaie courante ist, hat den übersetzten Text lektoriert und Veränderungsvorschläge gemacht, die der Übersetzer zum großen Teil übernommen hat.

Weitere Stücke des Autors.
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