Ali Chahrour, THE LOVE BEHIND MY EYES – Kunstfest Weimar 21

Alle Fotos dieser Seite © Candy Welz. Europäische Erstaufführung am 28.08.21 beim Kunstfest Weimar 2021: Ali Chahrour, »The love behind my eyes«, Choreographie. 

وا حبيبي

Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche / Translation from French to German / Traduction du français vers l'allemand: Wolfgang Barth

Übersetzung aus dem Arabischen ins Französische und Englische/ Translation from Arab to French and English /Traduction de l'arabe vers le français et l'anglais : Chadi Aoun

Arabischer Text / Arab texte / Texte arabe: Volkstümliches altes arabisches Weihnachtlied / Popular old Arab Christmas carol / Vieille chanson de Noël populaire arabe

 

Oh meine Liebe

Oh meine Liebe, oh meine Liebe
Wie bist du geschunden
Es weint, wer dich ansieht in deiner Not
Du ein und einziger Erlöser
Oh meine Liebe, welches war dein Verbrechen
Sodass das Gericht dich bestraft
Schimpf und Schande dein Lohn
Und niemals heilende Wunden

Als im dunklen Obstgarten des Nachts
Der Heiland sich niederwarf
Betete das Universum
Zu dem, der den Gebeten Sinn gab
Die Olivenbäume wehklagten
Die Lippen bewegten sich in flehender Fürbitte
O meine Liebe, warum wirst du gehen?
Ist alle Treue vertan?

Oh meine Liebe, lass in uns fließen
Sturzbäche von Tränen
Vergehen das Herz in lodernden Flammen
Gebrochen vom Unglück und zermalmt
Ob der Sünden, die schwere Wunden dir schlugen
Unheilbar und für alle Zeit
Oh könnten wir doch in unseren langen Nächten
Unsere Verfehlungen unter Tränen bekennen
Die Liebe hat dich zu mir geführt
Und du hast die Last des Kreuzes getragen
Du hast das Schicksal des Todes für mich erlitten
Oh könnte ich doch mein Leben durchwandern
Eingetaucht in einen weiten, lebendigen Strom
Mich verzehren im Gehorsam deiner Verkündigung
Die Mysterien deiner erhabenen Erlösung erfahren

Oh meine Liebe, oh meine Liebe
Wie bist du geschunden
Es weint, wer dich ansieht in deiner Not
Du ein und einziger Erlöser
Oh meine Liebe, welches war dein Verbrechen
Sodass das Gericht dich bestraft
Schimpf und Schande dein Lohn
Und niemals heilende Wunden

 

 

وا حبيبي 

وا حبيبي وا حبيبي
أيُّ حالٍ أنت فيه
من رآكَ فشجاكَ
أنت أنت المُفْتَدِي
وا حبيبي أيَّ ذنبٍ
حَمَّلَ العدْلُ بَنِيه
فَأَثابُوكَ جِراحاً

حين في البستان ليلاً
سَجَد الفادي الإله
كانت الدنيا تصلّي
كانت الدنيا تصلّي
شجرُ الزيتونِ يبكي
وتناديه الشِفاه
وا حبيبي كيف تَمضي
أترى ضاعَ الوفاء

وا حبيبي أَجْرِ فينا
سَيلَ دَمْعٍ مُنْهَمِر
يَلْتَظُ القلبَ بنارٍ
حزنُ قلبٍ منكسر
لخطايا جَرَّحَتْكَ
بِعُقوقٍ مُسْتَمِر
ليتنا طولَ الليالي
نَدَماً نَهْمَى الدِّمَاء
قادكَ الحبُّ إليَّ
فتقلّدْتَ الصليب
وتحمَّلت لأَجلي غصَّةَ الموتِ الرهيب
ليتني أقضي حياتي
أَهْرُقُ العمرَ سَكِيِب
في وصاياكَ وأحيا
بين أسرارِ الفِدَاء

وا حبيبي
وا حبيبي وا حبيبي

أيُّ حالٍ أنت فيه
من رآكَ فشجاكَ
أنت أنت المُفْتَدِي
وا حبيبي أيَّ ذنبٍ
حَمَّلَ العدْلُ بَنِيه
فَأَثابُوكَ جِراحاً

 

Ô mon bien aimé

Ô mon bien aimé, Ô mon bien aimé
Dans quel état en seras-tu
Te percevoir dans ta détresse
Toi le seul et unique Rédempteur
Ô mon bien aimé, quel crime as-tu commis
Pour que la justice punit
En offense, on t’a récompensé
Et meurtri de blessures qui ne seront jamais guéries

La nuit, dans le verger
Quand le Sauveur se prosterna
L’univers pria
A celui qui donna sens aux prières
Les oliviers se lamentaient
Les lèvres suppliaient
Ô mon bien aimé pourquoi iras-tu ?
Est-ce que la loyauté se livra ?

Ô mon bien aimé, coule en nous
Des flots de larmes torrentielles
Le cœur embrasé bouillant
Le malheur d’un cœur anéanti et brisé
Pour des péchés qui t’ont grièvement blessé
D’une manière persistante et perpétuelle
Si on pouvait passer nos longues nuits
Reconnaissant nos torts par des pleurs retenus
L’amour t’a poussé vers moi
Et tu as supporté les piliers de la croix
Tu as enduré le trépas fatal, pour moi
Si seulement je pouvais franchir ma vie
Submergé par un flux vital répandu
Me consumant dans l’obéissance de ta prédication
En vivant les mystères de la rédemption exaltée

Ô mon bien aimé, Ô mon bien aimé
Dans quel état en seras-tu
Te percevoir dans ta détresse
Toi le seul et unique Rédempteur
Ô mon bien aimé, quel crime as-tu commis
Pour que la justice punit
En offense, on t’a récompensé
Et meurtri de blessures qui ne seront jamais guéries

 

 

O beloved

O beloved, O beloved
What a sad state you are in
He who lays eyes on you would cry
You are the one and only Redeemer
O my beloved, what crime have you committed
So that justice punishes
They melted you with wounds
To which no healing would cure

When in the dark orchard at night
The Savior kneeled
The universe bowed and prayed
To he who gave meaning to prayers
Olive trees were weeping
The lips were begging
O my beloved why will you go
Is all loyalty lost?

O my beloved, flow through us
Streams of torrential tears
The fiery heart boiling
The misfortune of a shattered heart
For sins that have grievously hurt you
In a persistent and perpetual way
If only we could spend our long nights
Acknowledging our wrongs with restrained lament
Love brought you to me
And you bared the pillars of the cross
You endured the fatal demise for me
If only I could walk through life
Overwhelmed by a widespread vital flow
Consuming me in obedience to your preaching
Living the mysteries of exalted redemption

O beloved, O beloved
What a sad state you are in
He who lays eyes on you would cry
You are the one and only Redeemer
O my beloved, what crime have you committed
So that justice punishes
They melted you with wounds
To which no healing would cure

 

Ich danke Ali Chahrour, Chadi Aoun, dem Performance-Ensemble, Rolf C. Hemke, dem Kunstfest 2021 und dem Deutschen Nationaltheater Weimar.

Bremen, den 21.09.2021,
Wolfgang Barth
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Exposé: GARY IST KEIN COWBOY, Veronika Boutinova

Foto © Bernd Gruschwitz, Bremen
Veronika Boutinova, GARY ? CE N'EST PAS UN COWBOY ! ; pièce pour enfants, 2021 ; Übersetzung ins Deutsche: GARY IST KEIN COWBOY, Kindertheaterstück; Wolfgang Barth,13.05.2021
„Eines Morgens hatte ich eine Vision: Ein kleiner Junge trat in eine zur Bücherbox umgebaute Telefonzelle, öffnete ein Buch und flog weg. Aus diesem Bild wollte ich etwas machen, etwas wie einen Kurzfilm mit hellen, frohen Farben, in dem das Lesen ein Notausgang, eine Befreiung, ein Entkom-men sein sollte.“ (Veronika Boutinova)

Gary wächst in einer „bildungsfernen“ Familie auf. Sein Leben in der beengten Hochhauswohnung im sozialen Brennpunkt ist bestimmt vom Lärm und vom Gedränge, der Rücksichtslosigkeit und dem Egoismus der Geschwister und des Vaters, der Verzweiflung und Apathie der völlig überlasteten Mutter, dem von gesellschaftlichen Anstandserwartungen befreiten Pragmatismus der dementen Großmutter. Konflikte werden durch Schreien und Gewalt geregelt. Die Geschwister setzen sich gegen Gary mit Ellenbogen durch, beleidigen und demütigen ihn permanent. Die Schule spielt keine Rolle, dass Gary die Hausarbeiten macht, wird als Makel empfunden. Man geht nicht ans Meer, obwohl es zum Greifen nah ist, und man fährt auch nicht in die Berge. In diesem Umfeld gedeihen die Vorliebe für einfache, direkte Lösungen und der Rassismus. Der Hund Rexbeifuß wird abgerichtet, Menschen nicht weißer Hautfarbe als Feinde zu erkennen.

Der Fernseher läuft ohne Unterbrechung und zeigt Western. Nach dem Vorbild dieser Schwarz-Weiß-Welt hat der Vater die Familie strukturiert. Seine Kinder heißen (Butch) Cassidy, Clinty („Stwoud“), Calamity (Djeïne) und sind ihren historischen Banditen- und Filmvorbildern treu. Aber die Namen Lucky (Luke), das Baby, und besonders Gary (Coupeur), die Hauptperson, deuten eine andere Sichtweise an. Die Gerechtigkeit soll siegen und die Dalton-Brüder (der Vater und drei Geschwister) in ihren gelb-schwarzen Anzügen sollen in den Knast. Vorläufig aber gilt das Familenrecht: „Los, schieß! Und wieder ein Drecksindianer weniger, jawoll […] Und das müsste man auch mit den Arabern, den Schlitzaugen und den Bimbos machen!“

Gary sehnt sich nach der Stille und einem Platz für sich. Er sehnt sich nach Licht, Farben, dem Meer, den Bergen, er möchte wegfliegen. Von den Geschwistern im Regen und dem tristen Grau der Stadt auf dem Trottoir alleine gelassen, entdeckt er die zur Bücherbox umgebaute Telefonzelle, sein HIER, wo er Ruhe findet, entfliehen und denken und mit Hilfe der Stimme Angelas aus dem Telefonhörer, der Bibliothekarin, zur Mediathek finden und den Start in eine bessere Zukunft vorbereiten kann. Diese Welt gibt ihm Kraft, sich schon jetzt seinem Bruder Cassidy, der den Hund auf Asamoah losgelassen hat, zu widersetzen. Gary wird, seinem Namensvorbild entsprechend, für Gerechtigkeit sorgen. Nach seiner Regie wird am Ende Lucky mit rotglühendem Herzen in die Sonne reiten.

Das Stück richtet sich an Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene. Während die Kinder die Geschehnisse vielleicht spontan als Spiegel eigener Erfahrungen wahrnehmen und im Lachen über die komischen Seiten und bei der Identifikation mit Gary, der sich wehrt, ein Stück Befreiung erfahren, setzen sich die Eltern mehr mit den düsteren Seiten der beschriebenen Wirklichkeiten auseinander. Das als Countdown zum Start in eine vielleicht bessere Zukunft durch Emanzipation konzipierte Stück, in dem im Kontrast von Hell und Dunkel, Farbe und Schwarz-Weiß, in vielen Wortspielen, fantasievollen sprachlichen Verschiebungen, Neologismen und poetischer Klanggestaltung Wirklichkeit abgebildet und der Ansatz von Veränderung sichtbar wird, soll Spaß und Freude bereiten und auch alberne Ausgelassenheit erlauben.

Lesungen im vom R. N.[1] regierten Calais, dem Wohnort der Autorin, deren Stücke von ihren Erfahrungen besonders mit den Auseinandersetzungen um die Flüchtlingskrise im „Jungle“ und danach geprägt sind, haben diese Möglichkeit bestätigt.

Wolfgang Barth, 15.06.2021

[1] Rassemblement National, früher FN (Front National)

Übersetzungen (Auswahl)

Porträt: Veronika Boutinova_D

Foto © Veronika Boutinova

Übersetzungen ins Deutsche durch Wolfgang Barth:
Veronika Boutinova, GARY ? CE N'EST PAS UN COWBOY ! ; pièce pour enfants,2021 ; Übersetzung ins Deutsche: GARY IST KEIN COWBOY,Kindertheaterstück; Wolfgang Barth,13.05.2021
Veronika Boutinova, GARANCE, pièce de théâtre jeune public, Editions La Fontaine, 04.03.2021, ISBN 2353610714; Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche: GARANCE UND DER ERDBEERMOND, Theaterstück für junges Publikum, © Wolfgang Barth, 02.05.2021  Info
Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche des illustrierten Kinderbuches Waël, Roi d‘Angleterre von Veronika Boutinova, mai 2017; Waël, König von England, illustriertes Kinderbuch © Wolfgang Barth, 21.05.2017, Manuskript; 04.10.2019: Veronika Boutinova, Emma Guareschi, Waël, Roi d‘Angleterre. Poésie documentaire pour la jeunesse, Éd. Une heure en été, ISBN 978-2490636037
Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche des Stückes Obligation de Quitter le Territoire Français von Veronika Boutinova, manuscrit, Calais 2014; Abschiebungsanordnung. Eine alternativhistorische Passionsgeschichte © Wolfgang Barth, 06.02.2017

Hinweis der Autorin an Herausgeber*innen:

Die Wege der Verlage sind unergründlich:

Tu m`édites ou tu hésites ?
Tu m’évites ou tu médites ?


[Veröffentlichst du mich oder zögerst du?
Gehst du mir aus dem Weg oder denkst du nach?]

Veronika Boutinova

Persönliche Daten und Informationen:

Stipendien – Residenzen – Auszeichnungen

  • Schreibresidenz in der Villa Yourcenar – Juli 2016 (Putréfiés [Verwest])
  • Beaumarchais-Stipendium – SACD – Juli 2016 (Le Cercle de craie calaisien [Der Kreidekreis von Calais])
  • Schreibresidenz in der Chartreuse de Neuville-sous-Montreuil – 2017 (Chartreuse)
  • Förderpreis Neue Talente des C.N.L. – Juni 2018 (Sara Jevo)
  • Schreibresidenz in der Motte castrale von Saint-Omer – Juli 2019 (Sara Jevo)
  • Schreibresidenz in der Chartreuse de Villeneuve-lez-Avignon – Februar 2020 (Sara Jevo)
  • Schreibresidenz in der Motte castrale von Saint-Omer – Juli 2020 (J’avais un vagin en forme de cœur [Meine Vagina hatte die Form eines Herzens])
  • Theaterförderung Artcena – Mai 2020 (Le Cercle de craie calaisien [Der Kreidekreis von Calais])
  • Theaterpreis PlatO 2021 (Gary ? C’est pas un cowboy ! [Gary ist kein Cowboy])
  • Förderstipendium der Région Hauts-de-France (titre provisoire: Herbe coupée, et bois brûlé / Portrait d’une étreinte [vorläufiger Titel: Geschnittenes Gras und verbranntes Holz / Portrait einer Umarmung])

Nach einer Promotion über tschechoslowakische Literatur verfestigt Veronika Boutinova ihr europäisches Profil, setzt ihre Forschungen über das zeitgenössische europäische Theater und das In-Yer-Face-Theater (Théâtre Dans Ta Gueule) fort und gibt Theaterunterricht. Die Autorin, die „das Strahlenbündel der Dunkelheit, das von ihrer Zeit ausgeht, direkt ins Gesicht trifft“ (Giorgio Agamben), fühlt sich durch die Gewalt herausgefordert und will deren Ursache bis auf den bitteren Grund nachgehen. In der Arte-Sendung „Metropolis“ vom März 2016 spricht die Autorin als Performerin, bildende Künstlerin und Fotografin über ihre Arbeit, in der sie die Spuren der Migration in der Grenzstadt Calais aufzeichnet.

Arte-Sendung "Metropolis", März 2016 0:37-5:17 Google Drive notwendig.

Veröffentlichungen

  • N.I.M.B.Y. (Lesung im Théâtre du Rond-Point 2010) / Dialogues avec un calendrier bulgare [Dialoge mit einem bulgarischen Kalender], (Festival de Rungis 2014 – A Mots Découverts), Editions L’Espace d’un instant, 2014
  • Calais Cul-de-sac [Sackgasse Calais], L’Harmattan, 2015
  • Décamper, de Lampedusa à Calais [Verschwinden. Von Lampedusa nach Calais], Sammelwerk, Editions de La Découverte, 2016
  • Poète… vos papiers ! pour Asli Erdogan [Ihre Papiere… Dichter! Für Asli Erdogan], Sammelwerk, Editions des Femmes, 2017
  • Waël, roi d’Angleterre [Waël, König von England], Illustré Jeunesse – Editions Une Heure en été, 2019
  • Sursum Corda, Roman, Editions Le Ver à soie, 2021
  • Garance, Editions La Fontaine, März 2021 (Endauswahl für den Preis des Lesekomitees Jugendliteratur der E.A.T. 2020)

Geplant:

  • Lettres européennes Manuel d’histoire de la littérature européenne [Europäische Literaturwissenschaft – Handbuch der europäischen Literatur], Sammelwerk mit einem Vorwort von Olga Tokarczuk, September 2021

Neue Aufführungen

L’Homme qui flotte dans ma tête [Der Mann, der in meinem Kopf treibt], Compagnie L’Embardée – März 2021 (Bourse du Nord, Schreibresidenz Villa Marguerite Yourcenar)

Le Cercle de craie calaisien, Compagnie Maskantête – Spielzeit 2021-2022 (Theaterförderung ARTCENA)

Gary? C’est pas un cowboy !, Compagnie Grizzli – Spielzeit 2021-2022 (Theaterpreis PlatO 2021)

Beiträge mit und über Veronika Boutinova

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Portrait: Veronika Boutinova_F

Photo © Veronika Boutinova

 

Traduit vers l'allemand par Wolfgang Barth:
Veronika Boutinova, GARY ? CE N'EST PAS UN COWBOY ! ; pièce pour enfants, 2021 ; traduction vers l’allemand: GARY IST KEIN COWBOY,Kindertheaterstück; Wolfgang Barth, 13 mai 2021
Veronika Boutinova, GARANCE, pièce de théâtre jeune public, Editions La Fontaine, 04 mars 2021, ISBN 2353610714 ; traduction de la pièce de théâtre du français vers l’allemand : GARANCE UND DER ERDBEERMOND, Theaterstück für junges Publikum, © Wolfgang Barth, 02.05.2021  Info
Traduction en allemand du français du livre pour enfants illustré Waël, roi d‘Angleterre de Veronika Boutinova, mai 2017; Waël, König von England, illustriertes Kinderbuch © Wolfgang Barth, 21 mai 2017; 4 octobre 2019: Veronika Boutinova, Emma Guareschi, Waël, roi d'Angleterre. Poésie documentaire pour la jeunesse, Éd. Une heure en été, ISBN 978-2490636037
Traduction en allemand du français de la pièce de théâtre Obligation de Quitter le Territoire Français de Veronika Boutinova, manuscrit, Calais 2014; Ab­schiebungsanordnung. Eine alternativhistorische Passionsgeschichte © Wolfgang Barth, 6 février 2017

Avis de l’autrice aux éditeurs et éditrices:

Les voies des éditeurs sont impénétrables:

Tu m`édites ou tu hésites ?
Tu m’évites ou tu médites ?


Veronika Boutinova

Dates personnelles et informations:

Bourses – Résidences – Prix

  • Résidence d’écriture à la Villa Yourcenar – juillet 2016 (Putréfiés)
  • Bourse Beaumarchais – SACD – juillet 2016 (Le Cercle de craie calaisien)
  • Résidence d’écriture à la Chartreuse de Neuville-sous-Montreuil – 2017 (Chartreux)
  • Bourse de Découverte du C.N.L. – juin 2018 (Sara Jevo)Résidence d’écriture à la Motte castrale de Saint-Omer – juillet 2019 (Sara Jevo)
  • Résidence d’écriture à la Chartreuse de Villeneuve-lez-Avignon – février 2020 (Sara Jevo)
  • Résidence d’écriture à la Motte castrale de Saint-Omer – juillet 2020 (J’avais un vagin en forme de cœur)
  • Aide à la création de textes dramatiques Artcena – mai 2020 (Le Cercle de craie calaisien)
  • Prix PlatO 2021 – (Gary ? C’est pas un cowboy !)
  • Aide à la création de la Région Hauts-de-France (titre provisoire: Herbe coupée, et bois brûlé / Portrait d’une étreinte)

Après un doctorat sur la littérature tchécoslovaque, Veronika Boutinova affirme son européanité, continue ses recherches sur les dramaturgies contemporaines européennes, le In-yer-face drama et le Théâtre Dans Ta Gueule et enseigne le théâtre. Autrice qui „reçoit en plein visage le faisceau de ténèbres qui provient de son temps“ (Agamben), interpellée par la Violence, elle éprouve le besoin d’en gratter l’os. Performeuse, plasticienne, photographe qui garde trace de la situation migratoire dans la ville-frontière de Calais, elle parle de son travail dans l’émission „Metropolis“ d’Arte (mars 2016).

Émission "Metropolis" d’Arte (mars 2016) 0:37-5:17 nécessite google drive

Publications

  • N.I.M.B.Y. (Lecture au théâtre du Rond-Point 2010) / Dialogues avec un calendrier bulgare (Festival de Rungis 2014 – A Mots Découverts), Editions L’Espace d’un instant, 2014
  • Calais Cul-de-sac, L’Harmattan, 2015
  • Décamper, de Lampedusa à Calais, ouvrage collectif aux Editions de La Découverte, 2016 Poète… vos papiers ! pour Asli Erdogan, ouvrage collectif, Editions des Femmes, 2017 Waël, roi d’Angleterre, Illustré Jeunesse – Editions Une Heure en été, 2019
  • Sursum Corda, roman, Editions Le Ver à soie, 2021
  •  Garance, Editions La Fontaine, Mars 2021 (finaliste Comité Jeunesse E.A.T. 2020)

A paraître:

  • Lettres européennes Manuel d’histoire de la littérature européenne, ouvrage collectif préfacé par Olga Tokarczuk, septembre 2021

En création

L’Homme qui flotte dans ma tête, par la Compagnie L’Embardée – Mars 2021 (Bourse du Nord, résidence d’écriture Villa Marguerite Yourcenar)

Le Cercle de craie calaisien, par la Compagnie Maskantête – Saison 2021-2022 (Aide à la Création ARTCENA)

Gary ? C’est pas un cowboy !, par la Compagnie Grizzli – Saison 2021-2022 (Prix PlatO 2021)

Ouvrages bibliographiques

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(Online-) Premiere WILDKRAUT, Yannis Tsiros

Darsteller des Stavros: Enrico Ledzinski; Foto: Deutsch-Griechisches Theater Köln
Abgesehen von der Mail des Übersetzers an Kostas Papakostopoulos direkt unter dem Eindruck der Permiere (s.u.) entstammen alle Elemente dieser Seite zur Premiere (DEA) des Stückes WILDKRAUT / ΑΓΡΙΟΣ ΣΠΟΡΟΣ von Yannis Tsiros / ιάννη Τσίρου der Einladungsmail zur Erstaufführung.

LIEBE FREUNDE DES DEUTSCH GRIECHISCHEN THEATERS,

Am kommenden Freitag, den 16. April um 20:00 Uhr, ist es endlich soweit: Wir feiern unsere digitale Premiere von WILDKRAUT auf der Plattform Dringeblieben!!! 

WILDKRAUT / ΑΓΡΙΟΣ ΣΠΟΡΟΣ
von Yannis Tsiros / Γιάννη Τσίρου

Deutschsprachige Erstaufführung!
Konzept und Regie Kostas Papakostopoulos

In Zeiten des obligatorischen Lockdowns präsentieren wir digital das neue Erfolgsstück des griechischen Gegenwartsautors Yannis Tsiros in der deutschen Erstaufführung, übersetzt von Wolfgang Barth und Greg Liakopoulos. Es handelt sich um eine im Kölner Künstler:innen Theater aufgenommene Aufführung ohne Publikum.

Darstellerin der Haroula: Stella Veinoglou     Foto: Deutsch-griechisches Theater Köln

Das 3-Personen-Stück ist Krimi und Drama zugleich. Eine Zeit: ein Sommertag, ein Ort: eine Grillbude an einem Strand der Ägäis, eine Handlung: die Suche nach einem verschwundenen jungen Deutschen. Wer hat Wolfgang umgebracht? Unter Mordverdacht gerät der Imbissbesitzer Stavros. Sein Büdchen betreibt er zusammen mit seiner Tochter Haroula an der Grenze zur Illegalität. Bald weiten sich die polizeilichen Ermittlungen für ihn zum Existenzkampf aus. Stavros wird ein Spielball griechischer und deutscher Behörden. Am Ende steht er ganz allein, isoliert von seinen Dorfnachbarn und als Zielscheibe für holländische, österreichische und französische Urlauber, die am Strand ihre Villen gebaut haben. 

Darsteller des Takis: Enrico Ledzinski   Foto: Deutsch-griechisches Theater Köln

In WILDKRAUT prallen die Ansprüche der Globalisierungsgewinner auf den verzweifelten Überlebenswillen der Verlierer. Ein strahlender Postkartensommer entwickelt sich zu einem Drama, in dem der Zusammenprall der Kulturen, die Unbeugsamkeit, der Groll, das Unverständnis und die Intoleranz zur absoluten Demütigung führen. Allerdings nimmt Stavros seine Niederlage nicht als endgültig hin. Er fühlt sich wie das Wildkraut, das dem Stück den Namen gibt: Seinen Samen kann man nicht vernichten. Man kann es immer wiederausreißen, auf Dauer aber ist es nicht zu besiegen. Das Stück, das seit seiner Uraufführung in Athen ein Renner an griechischen Bühnen ist, kann als Volksstück im besten Sinne gelten. Wir freuen uns,  es nun einer deutschen Erstaufführung unserem Kölner Publikum zupräsentieren.

THEATERSTÜCKVERLAG, Korn-Wimmer, München

ENSEMBLE

Konzept & Regie                                         Kostas Papakostopoulos
Bühnenbild & Kostüme                            Zezo Dinekov
Musikkomposition                                     Herbert Mitschke
Regieassistenz                                             Alice Ressel
Dramaturgieassistenz                               Erika Walter

Mit Nikos Goudanakis, Enrico Ledzinski und Stella Veinoglou.

Unterstützt wird das Projekt vom Kulturamt der Stadt Köln sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Herzlichst Ihr

Kostas Papakostopoulos
(Theaterleiter)
———————————————-
Deutsch Griechisches Theater
Zülpicher Str. 218
50937 Köln
Tel.: +49-221-421283
www.dgt-koeln.de


Mail Wolfgang Barth an den Theaterleiter unmittelbar nach der deutschen Erstauffürung:

Lieber Herr Papakostopoulos,
 
mit meiner Partnerin stoße ich (mit Ouzo) auf die wunderbare Premiere und auf das Theater an! Das Stück hat mich wieder völlig aufgewühlt und bewegt. Durch Ihre Inszenierung ist alles noch sehr viel deutlicher geworden. Die Schauspielerin Stella Veinoglou und die Schauspieler Nikos Goudanakis und Enrico Ledzinski haben mich außerordentlich beeindruckt. Bitte richten Sie ihnen und allen an der Aufführung Beteiligten meinen herzlichen Gruß und meinen tiefen Respekt aus. Ich bewundere diese großartige Leistung. Es war ein bewegender Theaterabend.
 
Herzliche Grüße
Wolfgang Barth
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Info VERONIKA BOUTINOVA, GARANCE_D

Foto © Adèle, Veronika Boutinova

Veronika Boutinova, GARANCE, pièce de théâtre jeune public, Editions La Fontaine, 04.03.2021, ISBN 2353610714; Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche: GARANCE UND DER ERDBEERMOND, Theaterstück für junges Publikum, © Wolfgang Barth, 02.05.2021  Info

Zusammenfassung:

Siméon liebt Louna (die mit 11 Jahren ihre erste Regel hat, keine einfache Sache). Louna ist die beste Freundin von Zinette (die sich mit dem weiblichen Körper ziemlich gut auskennt). Zinette ist die Schwester von Titouan (der völlig verrückt nach Gwendo ist) und Garance (die in Gaëtan verliebt ist, aber da gibt es ein Problem: Gaëtan will Garance dort streicheln, wo sie es nicht will). Gleichzeitig macht RK (inkognito auftretende berühmte Märchenfigur) dem Wolf klar: „Nein heißt nein, NIET!“

Hinweis des Übersetzers:

Garance ist ein nicht allzu häufiger französischer Mädchenvorname, der sich zunehmend größerer Beliebtheit erfreut. In Frankreich ist er vor allem bekannt durch den Ausspruch der Garance (Arletty) in Marcel Carnés Film Les enfants du paradis [Kinder des Olymp, 1945]: „Man nennt mich Garance. Das ist hübsch. Das ist eine rote Blume. Rot wie Ihre Lippen […]“ [Übers. W.B.] Die Assoziation führt zu dem von Klaus Kinski gesprochenen Gedicht François Villons mit der berühmten Verszeile „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.“

 Garance ist aber auch eine Farbe, das Krapprot oder Färberkrapp, das aus der gleichnamigen Pflanze hergestellt wird, einer der ältesten, schon bei den Ägyptern der Antike nachgewiesenen Färberpflanzen. Die roten Hosen der französischen Soldaten des 19. Jahrhunderts waren mit Krapprot gefärbt.

Die Pleine Lune des Fraises [Erdbeervollmond] ist der letzte Vollmond des Frühlings Anfang Juni. Die Algonkin-Indianer benannten ihn nach dem Zeitpunkt der Erdbeerernte. Besonders eindrucksvoll war seine rote Farbe während der partiellen Mondfinsternis in Frankreich am 5. Juni 2020. „Avoir ses lunes à la fraise“ [seinen Erdbeermond haben] bezeichnet im Stück die Regelblutung. Im Deutschen gibt es hierfür den Begriff „Erdbeerwoche“.

Bei Vollmond und besonders beim „Erdbeervollmond“ ist Rotkäppchen für den Wolf besonders anziehend. Er wurde auch durch die leuchtend rote Mütze, in der alle Rottöne kulminieren, auf das Mädchen aufmerksam.



Foto © Adèle, Veronika Boutinova
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Info VERONIKA BOUTINOVA, GARANCE_F

Photo © Adèle, Veronika Boutinova
Veronika Boutinova, GARANCE, pièce de théâtre jeune public, Editions La Fontaine, 04 mars 2021, ISBN 2353610714 ; traduction de la pièce de théâtre du français vers l’allemand : GARANCE UND DER ERDBEERMOND, Theaterstück für junges Publikum, © Wolfgang Barth, 02.05.2021  Info

Résumé:

Siméon aime Louna (qui a ses règles à 11 ans, pas facile !). Louna est la meilleure amie de Zinette (qui connaît pas mal de trucs sur la géographie féminine). Zinette est la sœur et de Titouan (qui est dingue de Gwendo) et de Garance (qui est amoureuse de Gaëtan, mais problème : Gaëtan veut la caresser là où Garance n’a pas envie de). Pendant ce temps, P.C.R. (un célèbre personnage de conte incognito) explique à Loup que „Quand c’est non, c’est NIET !“

Avis du traducteur:

Garance est un prénom de fille français pas trop courant qui gagne en popularité. En France, il est surtout connu pour la phrase de Garance (Arletty) dans le film de Marcel Carné Les enfants du paradis (1945) : « On m’appelle Garance. C’est joli. C’est une fleur rouge. Rouge comme vos lèvres […] »   Traduite en allemand,  cette citation fait penser au poème de François Villon, prononcé par Klaus Kinski, avec son célèbre vers : „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.“ [« Je suis fou de tes lèvres rouge de fraises. »]

En Allemagne, on connaît le prénom français,mais on ne sait pas que le nom désigne en même temps une couleur. Il faut donc expliquer: Garance est aussi une couleur, « Krapprot » [garance] ou « Färberkrapp » [rouge des teinturiers], obtenue à partir de la plante du même nom, l’une des plus anciennes plantes tinctoriales, déjà connue des Égyptiens de l’antiquité. Les pantalons rouges des soldats français du XIXe siècle étaient teints en garance.

La Pleine Lune des Fraises [Erdbeervollmond] est la dernière pleine lune du printemps, début juin. Les Algonquins l’ont nommée ainsi en raison de la période de récolte des fraises. Sa couleur rouge était particulièrement impressionnante lors de l’éclipse partielle de lune en France le 5 juin 2020. Dans la pièce, « avoir ses lunes à la fraise“ veut dire « avoir ses règles ». En allemand, il y a le terme „die Erdbeerwoche haben“ [« avoir sa semaine de fraises »].

À la pleine lune et surtout à la « pleine lune des fraises », pour le loup, le Petit chaperon rouge paraît particulièrement appétissant. La jeune fille se fait repérer aussi par son bonnet rouge vif, dans lequel culminent toutes les nuances de rouge.


Photo © Adèle, Veronika Boutinova
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TEXTE sur LUCIE VÉROT, JEUNE QUI VEILLE

Dessin © Laura Pandelle, Feuilles volantes

“Je ne peux pas quitter ce monde en passant par dessous une dalle blanche du carré des indigents.”

Par Wolfgang Barth, traducteur de Jeune qui veille et de plusieurs autres textes de Lucie Vérot (dont Mangrove et Prouve-le: traductions éditées en Allemagne par Verlag der Autoren).

Après une lecture Zoom de Jeune qui veille de Lucie Vérot, organisée par Jeunes textes en liberté, une jeune lectrice exprima sa surprise : « Myrtha, pourtant morte, se lève et s’en va ? » Réflexion logique et légitime. Mais la perspective de la pièce est plus large : toute vie humaine est vouée à la mort dès la naissance, ce qui nous mène à la notion fondamentale de l’absurde. Albert Camus la développe dans son Mythe de Sisyphe. Nous n’avons que cette vie. Il faut donc la mener à bien. Le défi, c’est qu’« Il faut imaginer Sisyphe heureux ».

Tel est l’enjeu de la pièce Jeunequi veille. Elle place ses personnages, tous à la recherche du bonheur, en face de la mort. Mais, fidèle au positionnement de Camus, Lucie Vérot ne nous parle que de la vie. De plusieurs vies bien particulières dans un pays bien particulier.

La vie et le pays sont étroitement liés. Dans Mangrove, Lucie Vérot cite en exergue Bernard-Marie Koltès : « On rencontre parfois des lieux qui sont, je ne dis pas des reproductions du monde entier, mais des sortes de métaphores de la vie ou d’un aspect de la vie (…) ». Les textes de Koltès et Vérot tendent vers l’universel. Mais tandis que le premier ne localise pas le pays de Combat de nègre et de chiens[1] », Lucie, dans Mangrove, Fins de service et Jeune qui veille ne laisse aucun doute: il s’agit bien de la Guyane. Elle est présente partout. Le clivage fondamental « Métro ou pas Métro ». L’histoire (« les gens amenés ici enchaînés dans les cales de bateaux »). La Légion. La forêt avec son fleuve fatidique: le Maroni. Les orages de chaleur. Les trois pièces témoignent de l’importance de la Guyane pour Lucie Vérot.

C’est à travers ses habitants qu’on perçoit le pays. Le déluge décrit n’est pas n’importe lequel : « On a eu des nuits chaudes à faire tomber la pluie. » Pendant deux ans, l’amour de Myrtha et du Charognard était puissant et vaste au point d’agir sur les éléments naturels. Et c’est à la fin de sa vie qu’Armand reconnaît : « C’est tout ce que j’ai connu qui vaut la peine d’être retenu. »

Myrtha et Armand sont et seront «du monde des clandos et des putes ». Ils n’ont pas eu la vie facile. Il fallait bien manger, et quand on est pauvre on peut être amené à ne pas toujours suivre le chemin droit de la légalité. Comme dit Brecht : « Erst das Fressen, dann die Moral » [D’abord la bouffe, la morale après].  Est-ce que, pour autant, c’était « une sacrée vie de merde » comme dit Matilda ? Tout le monde ne peut pas prétendre avoir vécu un amour inouï comme celui de Myrtha et Armand. Et Le Charognard, à juste titre, se pose la question de si ces jeunes vont y arriver: « Parce que tu sais à quoi elle va ressembler, toi, ta vie ? »

Matilda et Yan se le demandent bien, eux aussi. Ils doivent d’abord régler quelques problèmes. La famille de Matilda immigrée de Haïti est clandestine. « La plupart des gens ne nous aiment pas tellement. » La question de savoir qui était son père lui pèse. Elle se demande si elle doit vivre seule comme Myrtha pour ne pas devenir la bonne de quelqu’un. Yan souffre de la mort de ses parents et se questionne sur son amour secret avec Guillaume. A la fin de la pièce, les jeunes auront su éliminer les obstacles intérieurs les plus éminents et pourront se tourner vers l’avenir. 

La pièce n’y va pas de but enblanc. Il faut un contexte. C’est dans le rapport avec les autres, dans les liens qui s’établissent par la communication et l’action que les choses avancent. Il y a des détours, des accrocs. La pudeur interdit à Myrtha et Armand de dévoiler les secrets d’emblée.  Jeune qui veille est une pièce de modifications, de développements, de transitions. On s’approche de la vérité au fur et à mesure.

« Quelqu’un est tombé dans le Maroni ». Cela paraît un principe :  le résultat est là et d’abord, on reste bouche bée sans vraiment comprendre. C’est le récit passionnant qui éclaire le sens après, le récit du combat du Charognard avec l’orpailleur qui se retrouve dans le Maroni, dont les eaux sont montées par l’effet de l’amour de Myrtha et Armand (symbole). De même pour Myrtha qui devrait se trouver au funérarium mais s’installe tranquillement à la table de Yan et Matilda. On n’y comprend rien. C’est après qu’on commence à saisir l’enjeu : un enterrement digne.

Comme Alboury dans Combat denègre et de chiens qui vient réclamer le corps de l’ouvrier mort pour pouvoir l’enterrer suivant la tradition, Myrtha demande – pour elle-même – que le manque de respect qu’elle a subi pendant sa vie soit équilibré par un enterrement digne. Et si, dans les deux pièces, il s’agit bien d’enterrements qui ne sont pas comme ils devraient l’être, l’enterrement est un motif, un véhicule qui dirige notre regard sur la vie et sa texture. A la fin, on se sent un peu plus libre, comme Horn (dans Combat) qui « s’éponge le front ». On est un peu plus loin sur ce chemin dont la plus grande partie reste à faire: changer la vie pour qu’il n’y ait plus d’enterrements misérables. 

Toute traduction pose problème, on le sait. Ceci encore plus pour les textes de Lucie Vérot situés en Guyane. Les présuppositions – tout le savoir, toutes les expériences nécessaires à la compréhension du texte dans les langues d’origine et de cible – sont complètement différentes.

Prenons le terme « Métro ». Un.e Guyanais.e saisira d’emblée son sens et ses connotations. Un.e Allemand.e ne pensera qu’au métro de Paris. Les discussions avec d’autres traducteurs ont donné pour « France métropolitaine » : „Kontinentalfrankreich“ [France « continentale »], „Mutterland“ [pays « mère »], „Europäisches Frankreich“ [France « européenne »]. Résultats approximatifs, voire erronés : La Guyane se situe bien sur un (autre) continent, elle aussi. La France métropolitaine est-elle « la mère » de la Guyane ? (!) Et la Guyane, région française, fait politiquement bien partie de l’Europe (!). Et pour le dérivé ? „ Konti“ (le pneu), „Mutti“ (« petitemaman »), „Euro“ (l’argent) ? Mis à part un témoignage intéressant : un très jeune Guyanais vivant en Allemagne pensait que« Métros » renvoyait au fait que les Parisiens utilisent le métro, où on se serre (d’où les Métros « limités et coincés »), la recherche eut comme résultat : Pas d’équivalent acceptable.

On gardera donc le terme comme un nom propre étranger dans la langue allemande. Ils’expliquera par le contexte et, surtout, par la pièce. Dans Mangrove, j’ai mis une note de bas de page, Jeune qui veille contient une explication implicite. Il a suffi que j’ajoute à« Un vieux blanc » : „vom französischen Festland“ [„Festland“signifiant à la fois continentale et européenne].

C’est cette définition de « Métro » qui, suite aux discussions dans les forums, a trouvé son entrée dans le dictionnaire en ligne www.leo.org. L’exemple me paraît révélateur pour le travail du traducteur : transporter des notions d’un contexte culturel régi par une langue à une autre langue au contexte fondamentalement différent.

Dessin © Laura Pandelle, Feuilles volantes
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TEXT zu LUCIE VÉROT, JUNGER MENSCH, DER WACHT

Zeichnung © Laura Pandelle, Feuilles volantes

„Ich kann diese Welt nicht verlassen, indem ich unter einer anonymen Grabsteinplatte in der Armenecke durchkrieche.“

Von Wolfgang Barth, Übersetzer von Jeune qui veille [JUNGER MENSCH, DER WACHT] und anderen Texten von Lucie Vérot (u.a. Mangrove [Mangroven] und Prouve-le [Alle Beweise derWelt], in Deutschland erschienen im Verlag der Autoren).

Nach einer von Jeunes textes en liberté organisierten Zoom-Lesung des Stückes Jeune qui veille von Lucie Vérot äußerte eine Leserin ihre Überraschung: „Myrtha ist tot, steht aber auf und geht?“ Die Frage ist logisch und berechtigt. Aber die Perspektive des Stücks ist weiter gefasst: Alles menschliche Leben ist von Geburt an dem Tod geweiht, was uns zum grundlegenden Begriff des Absurden führt, wie ihn Albert Camus in seinem Mythos des Sisyphos entwickelt. Wir haben nur dieses Leben und müssen versuchen, es zu einem guten Ende zu führen. Die Herausforderung liegt im letzten Satz des Mythos: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“.

Darum geht es in dem Stück JUNGER MENSCH, DER WACHT. Die Figuren sind auf der Suche nach dem Glück; alle sehen sich mit dem Tod konfrontiert. Das französische Sprichwort, das Stück und Titel zugrunde liegt, ist Programm: „Jeune qui veille et vieux qui dort, sont tous deux près de la mort“ [JungerMensch, der wacht und alter Mensch, der schläft, sind beide dem Tod nahe]. Lucie Vérot aber, getreu der Position Camus‘, spricht nur vom Leben. Von zwei beinahe abgeschlossenen Lebensläufen zweier alter Menschen und der Frage nach der Gestaltung des Lebens zweier junger Menschen, die es noch vor sich haben. Alle parabelhaften Entwürfe vollziehen sich konkret in einem ganz bestimmten Land.

 Lebensläufe und Land sind eng miteinander verbunden. Lucie Vérot stellt als Motto dem Stück Mangroven ein Zitat von Bernard-Marie Koltès voran: „Manchmal kommt man an Orte, die vielleicht nicht die ganze Welt widerspiegeln, aber doch Metaphern des Lebens oder eines seiner Aspekte sind.“ Koltès und Vérot treffen universelle Aussagen. Doch während ersterer das Land in „Combat de nègre et de chiens“ nicht verortet [1], lässt Lucie in „Mangrove“, „Fins de service“ und „Jeune qui veille“ keinen Zweifel aufkommen: Das Land ist Französisch-Guayana. Es ist allgegenwärtig: Wenn es um die grundsätzliche Kluft zwischen „Métro“ und „Nicht-Métro“ geht (siehe unten). In der Geschichte („Menschen wurden angekettet in den Laderäumen von Schiffen hierhergebracht“). Durch die Fremdenlegion, den tropischen Regenwald mit seinem schicksalhaften Fluss Maroni, die Hitzegewitter. Die drei Stücke belegen die Bedeutung von Französisch-Guayana für Lucie Vérot.

Wir nehmen das Land durch seine Bewohner wahr. Die beschriebene Flut ist nicht einfach irgendeine: „Unsere Nächte waren so heiß, dass sie die Regenzeit und Sturzfluten warmen Wassers auslösten.“ Zwei Jahre lang war die Liebe zwischen Myrtha und Armand so gewaltig und allumfassend, dass sie die Naturelemente beherrschte. Am Ende seines Lebens erkennt der Aasgeier (Armand): „Sie ist das einzige, woran zu erinnern es sich lohnt.“

Umgebung und Bezugsfeld Myrthas und Armands ist die „Welt der Illegalen und der Huren“. Ihr Leben war kein Honigschlecken. Es musste etwas zu essen auf den Tisch, und wenn man arm ist, kann man nicht immer den geraden Weg der Legalität gehen („Erst kommt das Fressen, dann die Moral“). War dieses nun „ein beschissenes Leben“, wie Matilda sagt? Nicht jeder kann von sich behaupten, wie Myrtha und Armand eine so unglaubliche Liebe erlebt zu haben. Der Aasgeier fragt zu Recht, ob diese jungen Menschen, mit denen er plötzlich zu tun hat, dies erreichen werden: „Weißt du denn etwa schon, wie dein Leben aussehen wird?“

Matilda und Yan fragen sich das tatsächlich auch. Sie müssen einige Probleme lösen. Matildas Familie ist illegal aus Haiti eingewandert. „Die meisten Leute mögen uns nicht so sehr.“ Die Frage, wer ihr Vater war, belastet sie. Sie fragt sich, ob sie wie Myrtha alleine leben muss, um nicht als irgendjemandes Dienstmädchen zu enden. Yan leidet unter dem Tod seiner Eltern und zermürbt sich in Gedanken über seine heimliche Liebe zu Guillaume. Am Ende werden die Jugendlichen die größten inneren Hindernisse beseitigt haben und in die Zukunft blicken können. 

Das Stück führt aber nicht auf geradem Wege dorthin. Es geschieht und kommt über Umwege und Hindernisse voran in den durch Kommunikation und Aktion entstehenden Beziehungen zu den anderen. Vorurteile müssen abgebaut werden. Schamhafte Zurückhaltung verbietet es auch Myrtha und Armand, ihre Geheimnisse sofort preiszugeben. Jeune qui veille ist ein Stück der Veränderungen, Entwicklungen und Übergänge. Es nähert sich der Wahrheit langsam.

„Jemand ist in den Maroni gefallen“. Ein grundsätzliches Gestaltungsprinzip: Man erfährt ein Ergebnis, ist verblüfft und versteht nichts. Danach erst erhellt das Stück den Sinn. Im faszinierenden Vortrag des Aasgeiers erleben wir seinen Kampf mit dem Goldgräber, der im Maroni landet, dessen Fluten durch die Liebe von Myrtha und Armand angestiegen sind. Ähnlich bei Myrtha, die eigentlich aufgebahrt im Beerdigungsinstitut liegen sollte, aber plötzlich am Tisch von Yan und Matilda sitzt. Auch hier verstehen wir erst im Nachhinein: Ihr Erscheinen ermöglicht es ihr, im allerletzten Moment eine Korrektur des Lebens und ihrer Beziehung zu Armand vorzunehmen.

 Wie Alboury in Combat de nègre et de chiens, der den Leichnam des toten Arbeiters einfordert, damit er der Tradition entsprechend beerdigt werden kann, bittet Myrtha – hier für sich selbst – darum, dass die Respektlosigkeit, die sie während ihres Lebens erlitten hat, durch eine würdige Bestattung ausgeglichen wird. Wenn es in beiden Stücken um Beerdigungen geht, die nicht so sind, wie sie sein sollten, so handelt es sich um Motive, Vehikel, die unseren Blick auf das Leben und seine Beschaffenheit lenken. Am Ende fühlt man sich freier, wie Horn (in Combat), der sich „den Schweiß von der Stirn wischt“. Wir haben ein Stück des Weges zurückgelegt, dessen größte Strecke noch zu gehen ist: das Leben so zu verändern, dass die Beerdigungen des Elends der Vergangenheit angehören. 

Viele Übersetzungen sind eine Herausforderung. Das gilt besonders für die Texte von Lucie Vérot, die in Französisch-Guayana spielen. Die „Präsuppositionen“ – das Wissen und die Erfahrungen als notwendige Voraussetzungen für das „Verstehen“ des Textes in der Ausgangs- und Zielsprache – sind völlig unterschiedlich.

Erläutert sei dies am Beispiel des Begriffes „Métro“. Ein Mensch in Französisch-Guayana wird unmittelbar dessen Bedeutung und die vielfältigen Konnotationen erfassen. Ein Deutscher wird schlicht die Pariser Metro vor sich sehen. Diskussionen in Übersetzerforen führten für den Begriff „France Métropolitaine“ zu „Kontinentalfrankreich“, „Mutterland“, „Europäisches Frankreich“. Dies sind aber nur annähernde und sogar fehlerhafte Ergebnisse: Guayana liegt ebenfalls auf einem Kontinent, aber auf einem anderen. Ist etwa das französische Mutterland die „Mutter“ Französisch-Guayanas? Und Französisch-Guayana, eine französische „Région“, ist doch politisch ein Teil Frankreichs, also doch eigentlich Europas! Und was ist mit den vorgeschlagenen Derivaten „Konti“, „Mutti“ oder „Euro“ für „Métro“? Eine abwegige Vorstellung. Die Diskussion führte auch zu einer unerwarteten semantischen Variante: Ein jugendlicher, in Deutschland lebender Guayaner meinte, „Métros“ beziehe sich auf die Tatsache, dass die Pariser die Metro benutzen, in die man sich hineinquetschen müsse, deshalb verweise dieses Wort in seiner Heimat auf das „Verklemmte“ und „Beengte“ der so bezeichneten Menschen. Fazit der Diskussion: Es gibt kein akzeptables Äquivalent für „Métro“.

Der Begriff wird daher als fremder Eigenname in der deutschen Sprache beibehalten. Die Bedeutung muss sich aus dem unmittelbaren Kontext und durch das gesamte Stück konstituieren. In Junger Mensch gibt es eine solche implizite Erklärung. Ich musste zu „ein alter Weißer“ nur noch „vom französischen Festland“ setzen (auch wenn bei näherer Betrachtung dieser Begriff problematisch bleibt). In Mangroven habe ich zur ersten Orientierung der Regie eine Fußnote gesetzt, den Rest übernimmt das Stück.

Ein schöner Nebeneffekt: Als Ergebnis der Forendiskussion erfolgte im Online-Wörterbuch www.leo.org (Französisch) eine neue deutsche Erklärung zur Annäherung an den Begriff „Métro“: „der Kontinentalfranzose“, „die Kontinentalfranzösin“. Das Beispiel erscheint mir symptomatisch für das Übersetzen: Vorstellungen und Konzepte einer Ausgangssprache mit allen sie bestimmenden Kontexten und Konnotationen sollen in den sprachlichen Kontext einer Zielsprache mit völlig verschiedenen Verstehensvoraussetzungen transportiert werden. Ich hoffe, dass dieses Abenteuer für die Stücke Lucie Vérots in akzeptablem Maße gelungen ist.


[1] Bernard-Marie Koltès, Combat de nègre et de chiens, Paris (Éd. de Minuit) 1989, vierte Umschlagseite

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Exposé Junger Mensch, der wacht  Exposé: Feierabend   
Exposé: Mangroven Porträt Lucie Vérot Startseite

Lucie Vérot: FINS DE SERVICE

Lecture „Fins de service“ de Lucie Vérot, ALT, mise en lecture Véronique Bellegarde, Comédien.ne.s Korotoumou Sidibé // Sophie Richelieu // Etienne Galharague Soutiens / ARTCENA /TDI       
https://www.youtube.com/watch?v=_INJS7D4-O0&feature=youtu.be

Lucie Vérot sur FINS DE SERVICE [FEIERABEND] à l’occasion de la traduction de la pièce en allemand (7 février 2021):

Résumé

La pièce se passe en Guyane le temps d’une toilette mortuaire.

Deux séquences alternent. La première est celle d’une toilette mortuaire dans un hôpital effectuée par Malaï et Pierrot, thanatopractrice et thanatopracteur en formation. Malaï est guyanaise tandis que Pierrot est métropolitain. Ils préparent une très jeune défunte : Tess.

L’autre séquence a lieu quelques jours auparavant, au Bar des Sports où Tess travaille comme serveuse pour l’été. Elle sert des hommes de la Légion étrangère et des métropolitains : des gendarmes et des ingénieurs du Centre spatial voisin. Elle est étudiante et a pour ambition de travailler elle aussi un jour au Centre spatial. Un soir en fin de service, elle fait la connaissance de Pierrot, qui vient d’arriver en Guyane.

Dans la chambre mortuaire, tandis qu’ils préparent la défunte, Malaï fait part à Pierrot de son expérience du métier, le met en garde contre certains écueils à éviter pour être prêt mentalement. Une relation de séduction s’amorce entre eux.

Au Bar des Sports comme dans la chambre mortuaire, il est question des relations entre Guyanais et Métropolitains, et de nos rapports à la mort. Et il est question d’une jeune femme qui n’accepte pas son sort, ni de son vivant ni dans sa mort. 

Note de l’autrice :

Fins de service fait partie d’un ensemble de textes que j’écris et ai écrits à partir de mes souvenirs de la Guyane, région où j’ai séjourné : Mangrove (Éditions Espaces 34, 2019 ; traduction Mangroven de Wolfgang Barth, Verlag der Autoren, 2020),Jeune qui veille et vieux qui dort (traduction Junger Mensch, der wacht und alter Mensch, der schläft de Wolfgang Barth) et Zone de balancement des marées (en cours d’écriture).

Fins de service est lauréat de l’Aide nationale à la création de textes dramatiques d’Artcena de novembre 2020.

lien ARTCENA

Lucie Vérot, 12.02.2021        

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