Ian De Toffoli, HumanApp, Exposé des Autors

Foto: IanPortrait1 mit Erlaubnis des Autors
Ian De Toffoli, AppHuman, Luxemburg 2020; Übersetzung des Theaterstücks aus dem Französischen ins Deutsche: HumanApp, © Wolfgang Barth, 27.01.2021; Rechte für die Übersetzung seit 13.01.2021 beim DREI MASKEN VERLAG, München  

Übersetzung der „Synopsis“: Wolfgang Barth

In HumanApp diskutieren vier Wissenschaftler einer Expertengruppe über die Folgen des immer größer werdenden Einflusses neuer Technologien, besonders der künstlichen Intelligenz, auf den Alltag. In Bezug auf eine mögliche moralische Haltung von Maschinen sind sie sich uneins. Zur Veranschaulichung ihrer Diskussion beschließen sie aus der Situation heraus eine Fallstudie, bei der in einem fiktiven Geschehen, einem allegorischen Text, drei Freunde einen Unfall erleben, an dem das neue Modell eines von ihrem Technologieunternehmen entwickelten selbstfahrenden Fahrzeugs beteiligt ist.

Bei seinem Erwachen im Krankenhaus stellt Vincent nicht nur fest, dass eine Passantin ums Leben kam, sondern auch, dass das Auto sie nicht zufällig überfuhr. Seine Software traf nach einer ökonomischen und sozialen Werteskala eine konsequente Entscheidung, um einem weiteren Verkehrsteilnehmer auf der anderen Straßenseite auszuweichen. Das Fahrzeug kollidierte mit der nach ihrem Code weniger wichtigen Person. Zur großen Überraschung von Vincent und Max aber kommen der steuernden künstlichen Intelligenz Zweifel an ihrem Verhalten. Aufgewühlt vom Tod der Passantin versucht der versierte Programmierer Vincent herauszufinden, wer das Opfer zu Lebzeiten war. Dank ihrer in den sozialen Netzwerken hinterlassenen digitalen Spuren lässt er sie schließlich aus dem Web wiederauferstehen und implementiert sie in die KI seines virtuellen persönlichen Assistenten.

HumanApp verknüpft das Theater mit der Wissenschaft und fragt nach dem Menschlichen angesichts der massiven Technisierung der Welt mit allem, was diese mit sich bringt: die Verschmelzung von Mensch und Maschine durch Algorithmen, die soziale Netzwerke und Smartphones bestimmen, die Abschaffung der Privatsphäre, die Massenüberwachung, die Uniformierung unserer Gesellschaften und die Nutzung persönlicher Daten durch Technologieunternehmen, den schwierigen Kampf um das Recht auf Vergessen und vor allem die Frage nach Verzerrungen und der Ethik einer Welt, die zunehmend von automatisierten Systemen beherrscht wird. HumanApp ist ein Stück über das Zweifeln, die Verletzlichkeit und die irrationalen Entscheidungen, die unser Menschsein ausmachen.

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